Der Tolpatsch
Berthold Auerbach
VERSIONE ELETTRONICA - PER I NON VEDENTI - ADATTATA DA AMEDEO MARCHINI

Ich sehe dich vor mir, guter Tolpatsch, in deiner leibhaftigen Gestalt, mit
deinen kurzgeschorenen blonden Haaren, die nur im Nacken eine lange Schichte
brig hatten; du siehst mich an mit deinem breiten Gesichte, mit deinen groen
blauen Glotzaugen und dem allweg halboffenen Munde. Damals, als du mir in der
Hohlgasse, wo jetzt die neuen Huser stehen, einen Lindenzweig abschnittst, um
mir eine Pfeife daraus zu machen -, damals dachten wir nicht daran, da ich
einst der Welt etwas von dir vorpfeifen wrde, wenn wir so weit, weit
auseinander sein werden. Ich erinnere mich noch wohl deiner ganzen Kleidung:
freilich ist sie leicht zu behalten, denn Hemd, roter Hosentrger und fr alle
Gefahren schwarzgefrbte leinene Hosen war ja alles. Am Sonntag, ja da war es
anders, da hattest du deine Pudelkappe1), dein blaues Wams mit den breiten
Knpfen, die scharlachrote Weste, die kurzen gelben Lederhosen, die weien
Strmpfe und die klapsenden Schuhe so gut wie ein anderer, ja sogar meist noch
eine frisch gepflckte Blutnelke hinterm Ohr stecken. Aber es war dir nie recht
wohl in dieser Pracht. Drum bleib ich bei dir in deinem Alltagskleide. -
Jetzt aber, nimm mir's nicht bel, lieber Tolpatsch, und mach dich wieder fort.
Ich kann dir deine Geschichte nicht so ins Gesicht hinein erzhlen; sei ruhig,
ich werde dir nichts Bses nachsagen, wenn ich auch per Er von dir spreche.
Der Tolpatsch trgt ein ganzes Geschlechtsregister in seinem Namen, denn er
heit eigentlich des Bartels Basches2) Bua, und sein Taufname ist Aloys. Wir
tun ihm den Gefallen und bleiben bei seinem rechten Namen. Das freut ihn, da
auer seiner Mutter Marei und uns wenigen Kindern ihn fast niemand so nannte;
jeder hatte die Frechheit, Tolpatsch zu sagen. Darum ging auch unser Aloys,
obgleich er schon siebzehn Jahre alt war, am liebsten mit uns Kindern um. An
versteckten Orten spielte er Hufchens mit uns oder rannte mit uns im Felde
umher, und wenn der Tolpatsch, oder besser, der Aloys bei uns war, waren wir
geborgen gegen jeden Angriff der Kinder von der Leimgrube; denn die ganze
Dorfjugend war fast immer in zwei feindliche Parteien geteilt, die sich auf
allen Wegen und Stegen scharf befehdeten.
Die Altersgenossen unseres Aloys begannen aber schon eine Rolle im Dorfe zu
spielen. Sie rotteten sich allabendlich zusammen und zogen, gleich den groen
Burschen, singend und pfeifend durch das Dorf oder standen schkernd vor dem
Wirtshause zum Adler an der groen Holzbeige und neckten die vorbergehenden
Mdchen. Das vornehmste Kennzeichen eines grogewordenen Burschen ist aber die
Tabakspfeife. Da standen sie dann mit ihren silberbeschlagenen und mit silbernen
Kettchen behangenen Ulmer Maserkpfen, sie hatten sie kalt im Munde; manchmal
aber wagte es einer, bei des Bckers Magd in der Kche eine glhende Kohle zu
holen, und dann machten sie frhliche Gesichter zu ihrem Rauchen, wenn ihnen
auch noch so bel davon wurde.
Auch unser Aloys hatte schon zu rauchen angefangen, aber nur ganz im
verborgenen. Eines Sonntags abends wagte er es, die Pfeifenspitze aus seiner
Brusttasche herausgucken zu lassen und sich so zu seinen Altersgenossen zu
gesellen. Einer von ihnen zog ihm mit Hallo die Pfeife aus der Tasche, Aloys
forderte sie zurck, sie wanderte aber unter Jubel und Lachen von Hand zu Hand,
und als sie Aloys mit immer grerem Ungestm forderte, da war sie verschwunden,
keiner wollte sie mehr haben. Aloys zerrte nun an allen herum und forderte mit
Weinen seine Pfeife, aber alles lachte; da packte er die Mtze des ersten, der
ihm die Pfeife genommen, und rannte damit davon in des Schmied Jakoben Haus. Der
Mtzenlose brachte nun die Pfeife, die in der Holzbeige versteckt war, zu Aloys
hinauf.
Das Haus des Schmied Jakob Bomller, das war der Ausgang des Aloys. Hier war
er nmlich immer, wenn er nicht zu Haus war, und er blieb nie zu Haus, sobald er
seine Arbeit darin fertig hatte. Die Frau des Schmied Jakob war seine Base, und
auer seiner Mutter und uns wenigen Kindern nannte ihn auch noch die Frau Aplon
(Apollonia) und ihre lteste Tochter Marannele bei seinem rechten Namen: Aloys.
Des Morgens stand der Aloys frh auf, und wenn er seine zwei Khe und seine
Kalbe gefttert und getrnkt hatte, ging er nach des Jakoben Haus, klopfte, bis
ihm das Marannele aufmachte, und nach einem einfachen Guten Tag ging er durch
den Stall in die Scheune. Die Tiere kannten ihn, sie brummten jedesmal
freundlich und wendeten die Kpfe nach ihm; er aber lie sich dadurch nicht
lange aufhalten, sondern ging in die Scheune und steckte den beiden Ochsen und
den beiden Khen (Futter) auf. Besonders freundlich stand Aloys mit der Blekuh.
Er hatte sie vom Kalb an auferzogen, und wenn er so bei ihr stand und ihrem
Fressen mit Behagen zusah, dann leckte sie ihm oft die Hnde, was seinem
Morgenanputz zugute kam. Wenn er dann die Tre des Stalles ffnete und die
Sauberkeit darin wieder herstellte, pflog er manches trauliche Wort mit den
Tieren, indem er sie bald rechts, bald links stellte. Kein Dnger im ganzen
Dorfe war so schn breit und so schn viereckig geschichtet wie der an des
Schmied Jakoben Haus, denn das bildet eine Hauptzierde eines echten
Bauernhauses. Dann wusch und striegelte Aloys die Ochsen und die Khe, da man
sich darin spiegeln konnte. Drauf lief er hinaus an den Brunnen vor dem Hause
und pumpte den Trog voll; er lie dann die Tiere hinausspringen, und whrend sie
drauen soffen, machte er ihnen frische Streue. Wenn nun das Marannele in den
Stall kam, um die Khe zu melken, war alles sauber und aufgerumt. Oft, wenn
eine Kuh streitig war, d. h. ausschlug und sich nicht melken lassen wollte,
stellte sich Aloys zu ihr und hielt seine Hand auf das Rckgrat der Kuh gelegt,
damit das Marannele besser melken konnte; meist aber machte er sich sonst noch
etwas zu schaffen. Und wenn dann das Marannele sagte: Aloys, du bischt e braver
Bua, da schaute er nicht auf nach ihr, sondern kehrte mit dem Stallbesen so
heftig, als wollte er die Pflastersteine aus dem Boden kehren. Drauf schnitt er
in der Scheune Futter fr den ganzen Tag, und wenn er die niedere Arbeit
vollendet hatte, stieg er die Treppe hinauf, holte Wasser fr die Kche, hackte
Kleinholz und ging endlich in die Stube. Das Marannele brachte die
Suppenschssel, stellte sie auf den Tisch, faltete die Hnde, ein jeder tat
desgleichen, und nun betete sie vor. Nachdem man darauf das Zeichen des Kreuzes
gemacht, setzte man sich mit einem G'segn es Gott zu Tische. Alles a aus
einer Schssel, und Aloys holte sich oft einen Lffel voll von dem Platze, wo
das Marannele sich schpfte. Still und ernst, wie bei einer heiligen Handlung,
sa man bei Tische; nur uerst selten wurde ein Wort gesprochen. Als abgegessen
und abermals gebetet war, trollte sich Aloys nach Hause.
So lebte unser Aloys bis in sein neunzehntes Jahr, und als ihm zum Neujahr das
Marannele ein Hemd schenkte, zu dem es den Hanf selber gebrochen, das es selber
gesponnen, gebleicht und genht hatte, da war er ganz selig; es tat ihm wehe,
da er nicht hemdrmelig ber die Strae gehen konnte, es htte ihn trotz der
grimmen Klte gewi nicht gefroren, aber die Leute htten ihn ausgelacht, und
Aloys wurde immer empfindlicher gegen den Spott der Leute.
Daran war besonders des alten Schultheien Knecht schuld, der seit der Ernte in
das Dorf gekommen war. Es war ein schner, schlanker Bursch, mit einem trotzigen
Gesichte, das durch den rtlichen Schnurrbart noch eine besondere Auszeichnung
hatte. Jrgli, so hie der Knecht, war Kavallerist und trug fast immer seine
Soldatenmtze. Wenn er sonntags in seiner geraden, kecken Haltung, die Fe
auswrts setzend und die Sporen klingen lassend, die Soldatenmtze auf dem
Kopfe, mit den lederbesetzten Reithosen angetan, das Dorf hinaufging, da sagte
sein ganzes Wesen: Ich wei, da sich alle Mdle in mich vergucken; oder wenn
er seine Pferde zur Trnke an des Jakoben Brunnen ritt, da wollte dem guten
Aloys fast das Herz springen, weil er sah, wie das Marannele jedesmal zum
Fenster hinauslugte. Er wnschte, da es gar keine Milch und Butter auf der Welt
gbe, damit er auch Pferdsbauer wre.
So unerfahren auch unser Aloys war, so waren ihm doch die Unterschiede der drei
Stnde wohl bekannt. Da standen zuunterst die Khbauern, die von ihren Zugtieren
auch noch Milch und Klber ziehen mssen; dann kamen die Ochsenbauern, deren
Zugtiere man doch noch msten und schlachten kann, zuoberst aber standen die
Pferdsbauern, deren Zugtiere weder Milch noch Fleisch geben, und die doch das
beste Futter fressen und oft am meisten gelten.
Ich glaube nicht, da Aloys hiebei an den Nhr-, Lehr- und Wehrstand dachte.
Heute am Neujahrstag zeigte sich ein Vorsprung, den der Jrgli als Pferdsbauer
hatte. Er fhrte nach der Morgenkirche des Schultheien Tochter und ihr
Gespiel, das Marannele, im Schlitten nach Empfingen spazieren, und so sehr
auch unserm Aloys darber das Herz im Leibe zitterte, so folgte er doch dem
Wunsche des Jrgli und half ihm die Pferde einstweilen im Schlitten
einprobieren. Er fuhr mit ihm im Dorfe umher und dachte nicht daran, welch eine
schlechte Figur er neben dem stattlichen Soldaten ausmachte. Als die Mdchen
eingestiegen waren, fhrte Aloys die Pferde noch einige Schritte, bis sie recht
angezogen hatten, rannte so neben den Pferden her und lie sie dann los. Und als
darauf der Jrgli unter Peitschenknallen und Rollengeklingel und dem Zuschauen
der halben Gemeinde mit den beiden Mdchen dahinfuhr, da schaute ihnen Aloys
noch lange nach, als man sie lngst nicht mehr sehen konnte; er schalt dann den
dummen Schnee, der ihm das Wasser aus den Augen trieb, und ging traurig nach
Hause. Es war ihm, als ob das ganze Dorf ausgestorben wre, da das Marannele den
ganzen Tag darin nicht zu finden sein sollte.
berhaupt war Aloys schon seit dem Beginne dieses Winters oft sehr betrbt. Im
Hause seiner Mutter kamen die Mdchen oft in die Karz oder, wie man es hier
nennt, zu Licht. Die Mdchen whlen zu diesen abendlichen Zusammenknften
immer am liebsten eine jung verheiratete Gespielin oder eine freundliche Witwe;
die lteren Hausherren stren das harmlose Treiben doch zu sehr. So kamen die
Mdchen auch oft zur Mutter Marei, und die Bauernburschen kamen wie immer
uneingeladen dazu. Frher hatte sich Aloys gar nicht daran gekehrt, wenn man
sich nicht um ihn kmmerte, er sa in einer Ecke und - tat gar nichts; jetzt
sagte er sich immer in Gedanken: Aloys! beim Teufel, du bist doch jetzt
neunzehn Jahre vorbei, du mut dich jetzt auch vornhin stellen, und dann sagte
er wieder: Wenn nur der Teufel den Jrgli lotweise holen tt. Der Jrgli war
das Endziel seines Unmutes, denn er hatte bald, ohnerachtet er ein Knecht war
(wie das berhaupt hier wenig Unterschied macht), die Oberhand ber alle
Burschen des ganzen Dorfes gewonnen, und sie muten alle nach seiner Pfeife
tanzen; und wie prchtig konnte er ihnen pfeifen und singen und jodeln und
Geschichten erzhlen wie ein Hexenmeister. Er lehrte die Burschen und Mdchen
neue Lieder, und besonders das Reiterlied Morgenrot usw..
Als er zum erstenmal den Vers sang:
Tust du stolz mit deinen Wangen,
Die wie Milch und Purpur prangen,

da stand der Aloys pltzlich hoch auf, er schien grer wie sonst, er ballte die
beiden Fuste und bi die Zhne vor innerer Freude knarrend aufeinander. Es war,
als ob er das Marannele mit seinen Blicken an sich zge, als ob er sie erst
jetzt recht she, denn gerade so wie es im Liede stand, sah sie ja aus.
Die Mdchen saen im Kreise, ein jedes hatte seine Kunkel3) mit dem
goldschaumbedeckten Knaufe vor sich stehen, an der der Hanf mit einem farbigen
Bande befestigt war; sie netzten den Faden aus ihrem Munde und spannen mit der
Spindel, die sich lustig auf dem Boden drehte. Es war dem Aloys immer wohl, wenn
er etwas zum Annetzen, eine Schssel voll pfel oder Birnen fr die Mdchen
auf den Tisch stellen konnte, und er stellte die Schssel immer nahe zu
Marannele, damit sie auch tapfer zugreifen konnte.
Anfangs Winter tat Aloys den ersten mutigen Schritt seiner Grojhrigkeit. Das
Marannele hatte eine neue mit Zinn eingelegte schne Kunkel bekommen. Als es nun
zum erstenmale damit in die Spinnstube kam und sich zum Spinnen gesetzt hatte,
trat Aloys vor, erfate die Kunkel oben und sagte den alten Spruch:
Jungferle, derf i eu' bitte:
Lent4) mi euere Engerle5) schttle,
Die kleine wie die groe
Auf dere Jungfere Schoe.
Jungfer, warum seind ihr so stolz?
Eure Kunkel ischt doch nau von Holz,
Wenn sie wr mit Silber b'schlage
No wett6) i eu' was andres sage. -

Mit einer ungewohnten Festigkeit, wenn auch mitunter mit Zittern, hatte Aloys
den Spruch vorgebracht. Das Marannele schlug zuerst die Blicke in den Scho aus
Scham und aus Angst, der Aloys mchte in seiner Rede stecken bleiben; jetzt aber
sah es ihn mit glitzernden Augen an. Nach alter Sitte lie es darauf Spindel und
Wirtel auf den Boden fallen, der Aloys hob beide Gegenstnde auf, und das
Marannele mute ihm fr die Spindel ein Knpfle7) und fr den Wirtel8) ein
Fastnachtskchle versprechen. Das Beste aber kam zuletzt. Aloys gab die Kunkel
frei, und als Ablosung gab ihm das Marannele einen rechtschaffenen Ku. Der
Aloys schmatzte so laut, da man ihn in der ganzen Stube hrte und die andern
Burschen ihn darum beneideten; er aber setzte sich wieder in eine Ecke, rieb
sich die Hnde und war mit sich und der Welt zufrieden. Das dauerte aber nicht
lange, denn der Jrgli war sein Strefried.
Eines Abends bat der Jrgli das Marannele - das die erste Vorsngerin in der
Kirche war -, das Lied vom schwarzbraunen Mdichen zu singen. Es begann ohne
langes Zaudern, und der Jrgli setzte die zweite Stimme mit so krftigem
Wohllaute ein, da alle anderen, die anfangs mitgesungen hatten, nacheinander
stille wurden und den beiden zuhrten, die so schn sangen. Marannele, das sich
von den Gefhrtinnen verlassen sah, sang anfangs mit zitternder Stimme und stie
die anderen neben an, doch mit weiter zu singen; als ihm aber niemand folgte,
sang es keck weiter, als knne es gar nicht aufhren, und es war, als ob die
Stimme Jrglis es frei und fest emporhielte wie gewaltige Arme. Sie sangen:
Es sind zwei Sternlein am blauen Himmel,
Glnzen heller als der Mond!
Einer scheint aufs schwarzbrauns Mdichen,
Einer scheint auf grnen Grund.
Jetzt lad ich meine zwei Pistolen,
Tu vor Freuden einen Schu,
Meinem Schtzelein zum Gefallen,
Weil es mich geliebet hat,
Vor allen meinen Feinden zum Verdru.
Geh ich naus auf fremde Straen,
Schnster Schatz vergi nicht mein;
Und wann du trinkst ein Glslein Weine
Zur Gesundheit mein und deine,
Weil ich von dir scheiden mu.
Morgens fruh mssen wir marschieren
Wohl zum obern Trle naus;
O du wunderschne schwarzbrauns Mdichen,
Wohl zum obern Trle naus.
Kauf ich ein Bndelein an meinen Degen
Und ein Struelein auf meinen Hut,
Und ein Tchelein in meine Taschen,
Meine ugelein abzuwaschen,
Weil ich von dir scheiden mu.
Gib ich meinem Pferd die Sporen,
Reit ich zu dem Tor hinaus,
Gib ich acht aufs schwarzbrauns Mdichen,
Weil ich von ihm scheiden mu.

Als ein jedes der Mdchen seine vier bis fnf Spindeln voll gesponnen hatte,
wurde der Tisch in die Ecke gerckt, und auf dem freien Raume von kaum drei bis
vier Schritten, den man dadurch gewonnen, begann nun eines nach dem andern zu
tanzen; die Sitzenden sangen den anderen dazu. Als der Jrgli mit dem Marannele
tanzte, sang er selber einen Lndler und tanzte dabei wie eine Spindel; ja er
brauchte fast nicht vielmehr wie eine Spindel, denn er behauptete: darin zeige
sich ein echter Tnzer, da man sich auf einem Teller gewandt und flink drehen
knne. Als er nun endlich mit dem Marannele einhielt und es dabei nochmals so
heftig schwenkte, da der faltige Rock hoch aufwallte, da lie ihn das Marannele
schnell stehen, wie wenn es sich vor ihm flchtete, es sprang in die Ecke, wo
der Aloys trbselig zuschaute, und seine Hand fassend, sagte es:
Komm Aloys, du mut auch tanzen.
La mich, du weit ja, da ich nicht tanzen kann. Du willst mich nur foppen.
Du Tol-, sagte Marannele, es wollte du Tolpatsch sagen, aber es hielt
schnell inne, denn es sah sein Gesicht, auf dem die Wehmut ausgegossen war, da
ihm das Weinen nher stand als das Lachen, es sagte daher freundlicher: Nein,
g'wi nicht, ich will dich nicht foppen; komm, und wenn du auch nicht tanzen
kannst, so mut du's lernen, und ich tanz so gern mit dir als wie mit einem. -
Sie tanzte nun mit ihm herum, aber Aloys schlenkerte seine Fe, wie wenn er
Holzschuhe anhtte, so da die anderen vor Lachen nicht mehr singen konnten.
Ich lern dir's ganz allein, Aloys, sagte das Marannele, ihn beruhigend.
Die Mdchen zndeten nun ihre Laternen an und wanderten nach Haus. Aloys lie es
sich nicht nehmen, sie noch zu begleiten; er htte um alles in der Welt das
Marannele nicht allein mit den anderen gehen lassen, wenn der Jrgli dabei war.
In der stillen, schneeweichen Nacht schallte das Schkern und Spaen der Mdchen
und Burschen weithin durch das Dorf. Das Marannele aber war still und wich dem
Jrgli sichtbar aus.
Als die Burschen die Mdchen alle nach Hause begleitet hatten, sagte der Jrgli
zu Aloys: Tolpatsch, du httest heut nacht beim Marannele bleiben sollen.
Halunk, sagte Aloys schnell und lief davon. Die anderen aber lachten ihm nach.
Der Jrgli jodelte noch allein durch die Gassen bis nach Hause, da es einem
jeden, auer den Schlafenden und Kranken, das Herz im Leibe erfreuen mute.
Des andern Morgens, als Marannele die Khe melkte, sagte Aloys zu ihm:
Guck, ich knnt den Jrgli grad vergiften, und du mut ihn auch in Grundsboden
nein verfluchen, wenn du brav sein willst.
Das Marannele gab ihm recht, suchte ihn aber auch zu berzeugen, da er sich
Mhe geben msse, auch so ein flinker Bursch zu werden wie der Jrgli. Da stieg
in Aloys ein groer Gedanke auf, er lachte vor sich hin, er warf den steifen
alten Stallbesen fort und steckte einen neuen biegsamen an den Stiel, dann sagte
er laut: Ja, ja, du wirst Maul und Augen aufsperren, gib nur acht. Er mute
nun sogar dem Marannele versprechen, gut Freund mit dem Jrgli zu bleiben, und
er versprach es endlich nach langem Widerstreben, aber er mute ja immer tun,
was sie wollte.
Darum hatte Aloys heute dem Jrgli mit dem Schlitten geholfen, darum trieb ihm
der Schnee das Wasser aus den Augen, als er den Wegrollenden nachsah.
Abends, so zwischen Licht, trieb der Aloys seine Khe zur Trnke an des
Jakoben Brunnen. Ein Rdchen junger Bursche, darunter auch der Jrgli und sein
alter Freund, ein Jude, des langen Herzles Kobbel9) genannt, der mit dem Jrgli
im gleichen Regimente diente, hatte sich dort zusammengesellt; das Marannele
lugte zum Fenster heraus. - Der Aloys machte den Gang des Jrgli nach. Er ging
ganz steif, wie wenn er einen Ladstock geschluckt htte, und hielt die Arme
strack am Leibe herunter, wie wenn sie von Holz wren.
Tolpatsch, sagte der Kobbel, was krieg ich Schmusgeld10), wenn ich mach, da
dich das Marannele heiratet?
Eine tchtige Trachtel auf dein Maul, sagte der Aloys und trieb seine Khe
heim. Das Marannele schob das Fenster zu, und die Burschen lachten aus vollem
Halse, die Stimme Jrglis tnte aus allen vor.
Aloys wischte sich mit dem rmel den Schwei von der Stirne, so viel Anstrengung
hatte ihn die uerung seines Unmutes gekostet. - Auf dem Futtertrog in seinem
Stalle sa er dann noch lange, und sein Plan reifte unwiderruflich in ihm. -
Aloys war in das zwanzigste Jahr getreten und kam zur Rekrutierung. Am Tage, als
er mit den anderen Burschen nach der Oberamtsstadt Horb gehen sollte, kam er in
seinem Sonntagsstaate nochmals in Maranneles Haus und fragte, ob er nichts aus
der Stadt mitbringen solle. Als er fortging, folgte ihm das Marannele nach, und
auf der Hausflur wendete es sich ein wenig ab, zog ein blaues Papierchen aus der
Brust, wickelte einen Kreuzer heraus und gab diesen dem Aloys. Da, nimm ihn,
sagte es. Das ist ein Glckskreuzer, sieh, es sind drei Kreuz darauf; weit du,
wenn als nachts so Sternfunken vom Himmel fallen, da fallt allemal ein silbern
Schssele auf den Boden, und aus denen Schsselen hat man die Kreuzer gemacht,
und wenn man so einen Kreuzer im Sack hat, hat man Glck; nimm ihn zu dir, und
du spielst dich frei.
Aloys nahm den Kreuzer. Als er aber ber die Neckarbrcke ging, langte er in
seine Tasche, drckte die Augen zu und warf den Kreuzer hinab in den Neckar:
Ich will nicht frei sein, ich will Soldat sein; wart nur Jrgli! so sagte er
vor sich hin; seine Faust ballte sich, und er warf sich keck in die Brust.
Im Wirtshause zum Engel wartete der Schulthei auf seine Ortskinder, und als
sie alle beisammen waren, ging er mit ihnen nach dem Oberamt. Der Schulthei war
ein ebenso dummer als anmaender Bauer. Er war frher Unteroffizier gewesen und
bildete sich groe Stcke auf seine Charge ein; er behandelte gern alle
Bauern, ltere und jngere, wie Rekruten. Auf dem Wege sagte er zu Aloys:
Tolpatsch, du ziehst gewi das grte Los, und wenn du auch Numero 1 ziehst, du
brauchst nicht bang sein, dich kann man nicht zum Soldaten brauchen.
Wer wei, sagte Aloys keck, ich kann noch so gut Unteroffizier werden wie
einer; ich kann so gut lesen und schreiben und rechnen wie einer, und die alten
Unteroffiziere haben auch nicht allen Verstand gefressen.
Der Schulthei sah ihn grimmig an.
Als Aloys vor das Rad hinging, war seine Haltung fast herausfordernd keck.
Mehrere Lose kamen ihm in die Hand, als er in das Rad griff; er drckte die
Augen fest zu, gleich als wolle er nicht sehen, was er nehme, und zog eines
heraus; zitternd reichte er es hin, denn er frchtete, da es eine hohe Nummer
sein knne. Als er aber den Ausrufer Numero 17 rufen hrte, da johlte er so
laut auf, da man ihn zur Ruhe verweisen mute.
Die Burschen kauften sich nun Strue aus gemachten Blumen mit roten Bndern
daran, und nachdem sie noch einen tchtigen Trunk genommen, zogen sie heimwrts.
Unser Aloys johlte und sang am lautesten.
Oben an der Steige harrten die Mtter und viele Mdchen der Ankmmlinge, auch
Marannele war darunter. Aloys, mehr vom Lrmen als vom Weine trunken, ging etwas
unsicher Arm in Arm mit den anderen. Diese Zutraulichkeit war noch nie
vorgekommen, aber heute waren sie alle gleich. Als die Mutter die Nummer 17 an
der Mtze ihres Aloys stecken sah, da weinte sie und rief einmal ber das
andermal: Da Gott erbarm! da Gott erbarm! Das Marannele fragte den Aloys
beiseite: Wo hast du denn meinen Kreuzer? - Ich hab ihn verloren, sagte
Aloys, aber trotz seiner halben Unbewutheit schnitt ihm diese Lge doch tief in
die Seele.
Die Burschen zogen nun singend in das Dorf, und die Mtter und Mdchen der
mutmalich Gezogenen gingen weinend hintendrein und trockneten sich mit den
Schrzen die Trnen. -
Es waren noch sechs Wochen bis zur Visitation, und darauf kam ja eigentlich
alles an. Mutter Marei nahm einen groen Ballen Butter und einen Korb voll Eier
und ging zu der Frau Doktorin; die Butter schmierte sich trotz des kalten
Winters doch recht gut, Mutter Marei erhielt die Versicherung, da ihr Aloys
frei werden solle; denn, sagte der gewissenhafte Arzt, der Aloys ist ja
ohnehin untauglich, er sieht ja nicht gut in die Ferne, und darum ist er ja
manchmal so tappig.
Der Aloys aber kmmerte sich gar nicht um all diese Geschichten, er war ganz
verndert, schwenkte sich und pfiff immer, wenn er das Dorf hinaufging.
Der Tag der Visitation kam, die Burschen gingen diesmal etwas stiller nach der
Stadt.
Als Aloys in das Visitationszimmer gerufen wurde und er sich entkleiden mute,
da sagte er keck: Kusperet mich nur aus, ihr werdet kein Unttele an mir
finden; ich hab keinen Fehler, ich kann Soldat sein. Er mute sich unter das
Ma stellen, und da er es vollauf hatte, wurde er als Soldat eingetragen; der
Arzt verga Kurzsichtigkeit, Butter und Eier bei der kecken Rede des Aloys.
Jetzt, als es Ernst geworden und er unwiderruflich Soldat war, jetzt wurde es
dem Aloys so bang, da er htte weinen mgen. Als er aber vom Oberamte herabkam
und seine Mutter sich weinend von den steinernen Stufen erhob, da richtete sich
sein Stolz wieder auf, und er sagte: Mutter, das ist nicht recht, Ihr msset
nicht greinen; bis in einem Jahr bin ich wieder da, und unser Xaver kann schon
dieweil das Sach im Feld schaffen.
Nach der erlangten Gewiheit ihres Soldatenstandes brachten die Burschen mit
Trinken, Singen und Johlen ein, was sie zuvor zu wenig getan zu haben glaubten.
Als der Aloys heim kam, gab ihm das Marannele weinend einen Rosmarinstrau mit
roten Bndern daran und nhte ihm denselben auf seine Mtze. Aloys aber zog
seine Pfeife heraus, rauchte flott durch das ganze Dorf hinauf und zechte mit
seinen Kameraden bis tief in die Nacht.
Noch ein dritter schmerzlicher Tag war zu berwinden, es war der Tag, wo die
Rekruten nach Stuttgart einrcken muten. Aloys ging frh in des Jakoben Haus,
das Marannele war im Stall, es mute jetzt selber alle Arbeit verrichten; Aloys
sagte: Marannele, gib mir dein Hand; sie gab sie ihm, und er sagte wieder:
Versprich mir, da du nicht heiratest, bis ich wieder komm. - Gewi nicht,
beteuerte sie, und er sagte: So, jetzt bin ich fertig, aber halt - komm, gib
mir auch einen Ku. Marannele kte ihn, und die Khe und Ochsen sahen
verwundert zu, als wten sie, was vorging.
Aloys klopfte nun noch jeder Kuh und jedem Ochsen auf den Bug und nahm so auch
Abschied von ihnen; sie brummten vor sich hin.
Der Jrgli hatte seine Pferde an den Wagen gespannt, um die Rekruten einige
Stunden weit zu fhren, und so fuhren sie nun singend durch das Dorf; des
Bckers Konrad, der die Klarinette blies, sa mit auf dem Leiterwagen und
begleitete die Liederweisen. Man fuhr im Schritt. Von allen Seiten drngten sich
noch die Freunde herbei und reichten eine Hand oder auch einen Abschiedstrunk.
Das Marannele schaute zum Fenster heraus und grte noch freundlich. Man nherte
sich dem Ende des Dorfes, und nun wurde nochmals das Gestz gesungen:
Naus, naus, naus und naus,
Zum Nordstetter Trle naus etc.

Als man aber das Dorf verlassen hatte, wurde der Aloys pltzlich muschenstille.
Er schaute mit nassen Augen berall umher; hier neben auf der Heide, Hochbux
genannt, hatte das Marannele das Tuch gebleicht, von dem er das Hemd anhatte; es
war ihm, als ob alle Fden brannten, so hei war es ihm. Er sagte allen Bumen
an der Strae und allen Feldern wehmtig Ade. Drben im Schiemauernfeld, dort
liegt sein bester Acker; er hat ihn so oft umgezackert, da er jedes Steinchen
kennt. Dort neben hat er noch vorigen Sommer mit dem Marannele Gerste
geschnitten, weiter unten im Hennebhl liegt sein Kleeacker, er hat ihn
geset, er sollte ihn nicht wachsen sehen. So schaute Aloys lange umher, und als
man die Steige hinabfuhr, blickte er vor sich hin und sprach kein
Sterbenswrtchen. Als man ber die Brcke fuhr, starrte er hinab in den Flu;
wer wei, ob er jetzt noch so keck seinen Glckskreuzer hinabgeworfen htte? -
Durch die Stadt ging zwar das Singen und Johlen wieder von neuem an, aber erst
als man jenseits auf der Spitze der Bildechinger Steige angekommen war, da
atmete Aloys wieder frei auf: vor ihm stand ja sein liebes Nordstetten, man
meinte, man knnte hinberrufen, so gleichauf lag es mit dem Berge, obgleich es
fast eine Stunde fern war. Er sah das gelb angestrichene Haus des Schmieds
Jrgli mit den grnen Lden, und zwei Huser davon wohnte das Marannele. Er
schwenkte seine Mtze und begann nochmals:
Naus, naus, naus und naus etc.

Der Jrgli fhrte die Rekruten bis Herrenberg, von dort an gingen sie zu Fu.
Beim Abschied fragte Jrgli den Aloys: Soll ich nichts ausrichten ans
Marannele? -
Aloys scho alles Blut in den Kopf. Der Jrgli war ihm gerade der unrechteste
Botenmann, und doch hatte er eben den Mund geffnet, um einen Gru zu sagen.
Unwillkrlich aber brach er in die Worte aus: Du brauchst gar nichts mit ihm zu
schwtzen, es kann dich auch fr den Tod nicht ausstehen.
Der Jrgli fuhr lachend davon.
Unterwegs hatten die Rekruten noch ein bemerkenswertes Abenteuer: Sie zwangen
nmlich im Bblinger Walde einen Holzbauern, sie den zwei Stunden langen Wald zu
fahren; Aloys war der rgste dabei; er hatte den Jrgli so oft von verwegenen
Soldatenstreichen erzhlen hren, und er wollte auch so sein. Es war aber auch
der erste, der am Ende des Waldes seinen ledernen Beutel ffnete und dem wieder
umkehrenden Bauern etwas gab.
Vor dem Tbinger Tore wurden die Ankmmlinge von einem Feldwebel in Empfang
genommen. Mehrere Nordstetter Soldaten waren ihren Landsleuten entgegen
gegangen; der Aloys bi die Zhne bereinander, als sie alle: Gr Gott,
Tolpatsch! sagten. Das Johlen und Singen hatte nun ein Ende, still wie eine
Herde Schafe wurden die Rekruten in die Legionskaserne gefhrt. Aloys sagte
seinen Landsleuten, da er als Freiwilliger zur Kavallerie gehen wolle, denn er
wollte es dem Jrgli nachmachen. Als er aber hrte, da er dann wieder nach
Hause msse, da das Exerzieren der Kavallerie erst im Herbste beginne, da dachte
er: Nein, das geht nicht, ich mu als ein ganz anderer Kerl heimkommen, dann
soll mir noch einer Tolpatsch sagen, ich will euch schon tolpatschen.
Aloys wurde nun in das fnfte Infanterieregiment eingereiht, er war gegen alle
Erwartung anstellig und gelehrig. Leider hatte er auch hier ein Migeschick,
denn er bekam einen Zigeuner als seinen Schlaf11). Der Zigeuner hatte einen
absonderlichen Widerwillen vor dem Wasser. Aloys mute ihn auf Befehl des
Rottenmeisters jeden Morgen an den Brunnen hinabfhren und ihn tchtig waschen.
Anfangs machte das dem Aloys Spa, nach und nach wurde es ihm aber sehr zur
Last; er htte lieber sechs Ochsen die Schwnze, als dem Zigeuner das Gesicht
gewaschen.
In der Kompagnie unseres Aloys war auch ein verlorener Maler. Er sprte bei
Aloys manchen Mutterpfennig, und nun begann er ihn zu malen, in ganzer Uniform
mit Ober- und Untergewehr und der Fahne neben ihm. Das war aber auch alles, was
man erkennen konnte, denn das Gesicht war eben ein Gesicht und weiter nichts.
Darunter stand jedoch mit schnen lateinischen Buchstaben: Aloys Schorer, Soldat
im fnften Infanterieregiment.
Aloys lie das Bild unter Glas und Rahmen bringen und schickte es mit dem Boten
seiner Mutter. In dem Briefe, der dabei war, schrieb er: Mutter! hnget das
Bild in der Stube auf, zeiget es auch dem Marannele, hnget es ber dem Tisch
auf, aber nicht zu nah am Turteltaubenkfig, und wenn das Marannele das Bild
haben will, so schenket es ihm, und mein Kamerad, der es gemacht hat, sagt, Ihr
solltet mir auch ein Bllele Butter und ein paar Ellen reisten Tuch12) fr
meinem Feldwebel seine Frau, wir heien sie nur die Feldwebelina, schicken. Ich
hab auch von meinem Kameraden tanzen gelernt, ich geh sonntags zum erstenmal
nach Hslach zum Tanz. Brauchst nicht maulen, Marannele, ich will mich nur
probieren. Und das Marannele soll auch schreiben. Hat der Jakob seine Ochsen
noch, und hat die Blekuh noch nicht gekalbt? Es ist doch kein recht Geschft,
das Soldatenleben, man wird hundsrackermd und hat doch nichts geschafft.
Die Butter kam, und diesmal half sie besser; der Zigeuner wurde einem andern
zugewiesen. Bei der Butter aber war auch ein Brief, den der Schullehrer
geschrieben, darin hie es:
Unser Mathes hat aus Amerika fnfzig Gulden geschickt. Er hat auch geschrieben,
wenn Du nicht Soldat wrst, knntest Du jetzt zu ihm, er wollte Dir dreiig
Morgen Acker schenken. Halt Dich nur brav und la Dich nicht verfhren, der
Mensch ist gar leicht verfhrt. Das Marannele trutzt so halb und halb mit mir,
ich wei nicht warum; als es Dein Bild gesehen hat, hat es gesagt, das wrst Du
gar nicht. - Bei diesen Worten schmunzelte der Aloys, denn er dachte: So ist's
recht, ja, ich bin auch jetzt ein ganz anderer Kerl; hab ich dir's nicht gesagt,
Marannele? gelt du?
Monate waren vorber. Der Aloys wute, da nchsten Sonntag Kirchweih in
Nordstetten sei; er erhielt durch seinen Feldwebel auf vier Tag Urlaub, er
durfte in ganzer Uniform mit Sbel und Tschako nach Haus.
O du Glcklicher! wie selig warst du, als du Samstag morgen dein Putzzeug in den
Tschako legtest und mit einem Bht's Gott bei deinem Feldwebel Abschied
nahmst!
So selig aber auch unser Aloys war, so sprach er doch mit der Wache am
Kasernentor und mit der Wache am Tbinger Tor; er mute es allen sagen, da er
heim ging, sie sollten sich mit ihm freuen, und ihn dauerten die Kameraden, die
so mir nichts, dir nichts auf einem kleinen Fleck zwei Stunden lang herumwandeln
muten, whrend er in dieser Zeit schon seiner Heimat um vieles, vieles nher
war.
Erst vor Bblingen machte er Halt und trank auf der Waldburg einen Schoppen. Er
konnte aber nicht ruhig auf dem Stuhle sitzen, sondern ging alsbald wieder
frba.
In Nufringen begegnete ihm der Kobbel wieder, der ihn einst so geneckt hatte;
sie reichten sich freundlich die Hand. Aloys hrte viel von der Heimat, aber
kein Wort von Marannele, und er scheute sich, danach zu fragen.
In Bohndorf endlich zwang er sich zur Rast; er htte sich sonst noch den
Herzbengel eingerennt, wenn er so fortgelaufen wre. Er streckte sich auf eine
Bank hin und berdachte, wie alles aufgucken werde, wenn er heim komme; dann
stellte er sich wieder vor den Spiegel, setzte den Tschako etwas nach dem linken
Ohre, drehte die Locke auf der rechten Seite und nickte sich Beifall zu.
Es war Abend geworden, als er wieder auf der Anhhe vor Bildechingen stand, ihm
gegenber seine liebe Heimat; er johlte nicht mehr, er stand ruhig und fest und
machte seinem Geburtsorte den militrischen Gru, indem er die Hand an den
Tschako legte.
Immer langsamer ging Aloys, er wollte absichtlich bei Nacht nach Hause kommen,
um dann des andern Morgens alle zu berraschen. Sein Haus war eines der ersten
im Dorfe, es war Licht in der Stube, er klopfte an das Fenster und sagte: Ist
der Aloys nicht da?
Jesus Maria Joseph, ein Schandarm! rief die Mutter.
Nein, ich bin's, Mutter, sagte Aloys, und nachdem er wegen der niedrigen Tre
den Tschako abgenommen, ging er hinein und reichte der Mutter die Hand.
Bald nach den ersten Begrungen uerte die Mutter ihre Bekmmernis, da nichts
mehr zu essen da sei, sie ging aber hinaus in die Kche und schlug ihm ein paar
Eier ein. Aloys stand bei ihr am Herde, und nun erzhlte er alles. Er fragte
nach Marannele und warum sein Bild noch drauen hnge. Die Mutter erwiderte:
Ich bitt dich, ich bitt dich, schlag dir das Marannele aus dem Sinn, das ist
ein keinntziges Ding.
Mutter, redet mir nimmer davon, ich wei, was ich wei, sagte der Aloys; sein
vom Feuer auf dem Herde rot berschienenes Antlitz hatte einen gewaltigen
trotzigen Ausdruck. Die Mutter schwieg, und in die Stube zurckgekehrt, sah sie
mit Herzensfreude, was ihr Aloys fr ein prchtiger Bursch geworden war. Jeden
Bissen, den er schluckte, schmeckte sie ihm in ihrem leeren Munde nach; den
Tschako aufhebend, jammerte sie ber seine grausame Schwere.
Des andern Morgens stand der Aloys frh auf, fummelte seinen Tschako, putzte das
Behng am Sbel und die Knpfe mehr, als wenn er zur Ordonnanz gemut htte. Als
es zum ersten Male zur Kirche lutete, stand er fix und fertig da; als es zum
zweiten Male zusammen lutete, ging er das Dorf hinein.
Auf dem Wege hrte er zwei Buben miteinander reden.
Ist das nicht der Tolpatsch? sagte der eine.
Nein, er ist's nicht.
Ja er ist's, sagte der erste wieder.
Aloys schaute die Buben grimmig an, und sie rannten mit ihren Gesangbchern
davon. Aloys schritt, von allen Kirchgngern freundlich begrt, der Kirche zu.
Er kam vor dem Hause Maranneles vorbei, niemand schaute heraus, er ging den Berg
hinan, oft zurckschauend, und trat, als es eben zum dritten Male lutete, in
die Kirche. Er zog seine weiledernen Handschuhe aus und besprengte sich mit
Weihwasser. Er blickte berall in der Kirche umher, er sah nirgends das
Marannele, er blieb an der Tre stehen, auch unter den Ankmmlingen war es
nicht. Der Gesang begann, die Stimme Maranneles war nicht darunter; er htte sie
ja aus tausenden heraus erkannt. Was ntzte ihn nun das Staunen aller? Sie sah
ihn ja nicht, fr sie allein war er den weiten Weg gerannt und stand er da, so
fest und stramm wie gegossen. Als aber nach der Predigt der Pfarrer die Marianne
Bomller von hier und den Georg Melzer von Wiesenstetten als Brautpaar
verkndete, da stand der Aloys nicht mehr da wie gegossen, da zitterten seine
Kniee und seine Zhne klapperten. Aloys war der erste aus der Kirche. Er rannte
ber Hals und Kopf nach Haus, warf Sbel und Tschako auf den Stubenboden und
versteckte sich im Heu und weinte. Einmal ber das andere kam ihm der Gedanke,
sich zu erhngen, aber er konnte nicht aufstehen vor Wehmut und Weinen; alle
seine Glieder waren ihm wie zerschlagen, und dann dachte er auch wieder an seine
Mutter, und dann weinte er wieder und schluchzte wieder.
Die Mutter kam endlich und fand ihn im Heu, sie trstete ihn und weinte mit. Er
erfuhr nun, da der Jrgli das Marannele verfhrt hatte und da es hohe Zeit
sei, da sie zusammengegeben wrden. Er weinte von neuem, dann aber folgte er
seiner Mutter wie ein Lamm in die Stube. Als er hier seines Bildes ansichtig
wurde, ri er es von der Wand und schmetterte es auf den Boden. Lange sa Aloys
dann hinter dem Tische und hielt sich das Gesicht mit beiden Hnden bedeckt,
endlich stand er auf, pfiff ein lustiges Lied und lie sich zu essen geben; er
konnte aber nicht essen, er zog sich an und ging in das Dorf. Die
Nachmittagskirche war vorber, aus dem Adler tnte die Musik zu ihm herab. Die
Augen niederschlagend, gleich als mte er sich schmen, ging er an des Jakoben
Haus vorbei; als er aber vorber war, hob er seinen Blick stolz empor. Nachdem
er beim Schulthei seinen Urlaubspa abgegeben, ging er nach dem Tanzboden. Er
schaute berall umher, ob Marannele nicht da sei, und doch wre ihm nichts
unlieber gewesen als das. Der Jrgli aber war da; er trat auf Aloys zu, reichte
ihm die Hand und sagte: Gr Gott, Kamerad! Der Aloys sah ihn an, als ob er
ihn mit seinen Blicken vergiften wollte; dann drehte er sich um, ohne ihm eine
Hand oder Antwort zu geben. Er dachte jetzt, da es eigentlich gescheiter
gewesen wre, wenn er gesagt htte: Was Kamerad! der Teufel ist dein Kamerad,
aber ich nicht. Es war indes zu spt zu dieser Antwort.
Von den Tischen brachten es nun alle Buben und Mdchen unserm Aloys zu, er mute
aus jedem Glas trinken, aber es schmeckte ihm alles wie Galle so bitter. Er
setzte sich dann auch an den Tisch und lie sich eine Bouteille vom Besten
geben, und obgleich es ihm nicht schmeckte, trank er doch ein Glas nach dem
andern. Die Mechtilde, die Tochter seines Vetters, des Mathes vom Berg, stand
nicht weit von ihm; er brachte es ihr zu. Das Mdchen tat ihm herzlich Bescheid
und blieb bei ihm stehen, denn es kmmerte sich niemand um sie, sie hatte keinen
Schatz und darum heute noch keinen Reihen getanzt, da jeder fast fort und fort
mit seinem Schatze tanzte oder mit der Gespielin des Schatzes und dem Schatz
eines andern wechselte. Aloys fragte:
Mechtilde, mchtest du nicht auch tanzen?
Ja, komm, wir wollen einmal. Sie fate Aloys bei der Hand, er stand auf, zog
seine Handschuhe an, schaute sich nochmals um, als suche er etwas und tanzte
dann so flink, da alle staunten. Aus Hflichkeit bot Aloys nach dem Tanze der
Mechtilde Platz neben sich an; er lud sich damit eine Last auf, denn sie blieb
nun den ganzen Abend bei ihm sitzen. Er kmmerte sich indes wenig um ihre
Unterhaltung, er schob ihr nur bisweilen das Glas hin, da sie trinken solle.
Die Zornesblicke des Aloys waren fast immer auf den Jrgli geheftet, der sich
nicht weit von ihm gesetzt hatte. Als man denselben fragte, wo das Marannele
sei, sagte er, es sei unba, und lachte dabei. Aloys bi so mchtig auf seine
Pfeife, da ihm ein Gelenk der Spitze im Munde blieb, er spie es mit Pfui!
aus; der Jrgli sah ihn wtend an, denn er glaubte, das Pfui gelte ihm. Als aber
Aloys ruhig blieb, zuckte Jrgli nur verchtlich mit den Achseln und begann
allerlei Schelmenlieder zu singen. Sie hatten meist einerlei Weisung und fast
alle nur ein Gestz wie:
Und a lustiger Bua
Verreit allbot13) e Paar Schua;
Und a trauriger Narr
Der hot lang am e Paar.

Es war schon bald nach Mitternacht, als Aloys wiederum seinen Sbel von der Wand
nahm und nach Hause gehen wollte. Da sang der Jrgli mit seinen Kameraden das
Fopplied, sie schlugen dabei mit den Fusten auf den Tisch:
Hoan14), hoan, hoan gang i net,
Wer will schaun hoame gaun15),
Der mua koan Geld mei haun16);
Hoan! hoan! hoan gang i net.

Aloys kehrte nochmals mit einigen seiner Kameraden um und lie sich noch zwei
Flaschen Wein geben. Sie sangen nun andere Lieder drein, whrend Jrgli mit
seinen Kameraden sang; Jrgli stand auf und rief: Halt's Maul, Tolpatsch. Da
ergriff dieser eine volle Flasche und warf sie dem Jrgli ins Gesicht, drauf
sprang er ber den Tisch und packte ihn an der Gurgel, die Tische fielen um, die
Glser klirrten auf dem Boden, die Musik hielt ein, eine Weile war alles still,
es war, als wollten sich die beiden Kmpfenden still erwrgen; dann aber
entstand wieder allgemeines Hallo, Pfeifen, Schreien und Toben untereinander.
Die Freunde wehrten ab, indes nach einer alten Bauerntaktik hielten sie beim
Abwehren nur den Gegner ihres Freundes fest, damit dieser um so tchtiger drauf
klopfen konnte. Die Mechtilde aber ri den Jrgli so wacker am Kopf, da sie ihm
ein ganz Bschel Haare ausraufte. Stuhlbeine wurden nun abgeknickt, die
Parteien, die sich um die beiden Kmpfenden gebildet hatten, zerbluten einander
nach Herzenslust. Aloys und Jrgli aber hielten sich, wie wenn sie sich
ineinander verbissen htten. Endlich nach langem Ringen hob sich Aloys in die
Hhe und warf den Jrgli auf den Boden, da man meinte, er htte das Genick
gebrochen, dann kniete er auf ihn nieder, und es war, als ob er ihn erdrosseln
wollte. Der Dorfschtz trat ein und machte dem Lrmen ein Ende. Die Musik mute
nun fr heute aufhren, die beiden Hauptkmpfer muten in das Gefngnis des
Rathauses wandern. -
Mit einem zerraufen, blaumligen Gesichte, bleich und abgehrmt, verlie Aloys
des andern Tages das Dorf. Sein Urlaub war erst morgen zu Ende, aber was sollte
er noch zu Hause? Er ging so gern wieder fort ins Soldatenleben, er wre am
liebsten in den Krieg gezogen. Der Schulthei hatte ihm die Rauferei in den Pa
geschrieben, Aloys ging einer harten Strafe entgegen. Er schaute sich nicht mehr
um, er ging fort, ohne es zu wissen, und wnschte nie mehr wiederzukehren. Als
er in Horb den Wegweiser nach Freudenstadt sah, von wo aus man nach Straburg
geht, hielt er eine Weile still, er gedachte nach Frankreich zu desertieren. Da
grte ihn unversehens Mechtilde und fragte: Ei Aloys, gehst du schon wieder
nach Stuttgart?
Ja, antwortete dieser, und schlug den Weg dahin ein. Die Mechtilde war wie ein
Wegweiser vom Himmel erschienen. Mit einem freundlichen B'ht Gott schied er
von ihr.
Auf dem Wege summte ihm immer das Lied im Kopfe, das der Jrgli einst zuerst
gesungen hatte; jetzt konnte es der Aloys auch singen, und jetzt pate es erst
ganz auf das Marannele. Er summte immer, ohne da er es wute, vor sich hin:
Ach wie bald, ach wie bald
Schwindet Schnheit und Gestalt.
Tust du stolz mit deinen Wangen,
Die wie Milch und Purpur prangen,
Ach, die Rosen welken all.

In Stuttgart angelangt, sprach er nicht mehr mit der Wache am Tbinger Tor und
der an der Kaserne, er schaute wie ein Verbrecher kaum auf. Acht Tage mute er
im dritten Grad, in einem finstern Gefngnisse, seine Rauferei abben. Oft
war er so ungeduldig und wild, da er sich an der Wand den Kopf entzweirennen
wollte, dann aber lag er wieder fast Tag und Nacht im halben Schlaf.
Als er aus dem Gefngnisse kam und auf sechs Wochen in die Strafklasse
eingereiht wurde, die sich keine Stunde von der Kaserne entfernen darf, sondern
immer zum Appell bereit sein mu, da verfluchte er seinen Vorsatz, da er zum
Militr gegangen war und sich so noch auf sechs Jahre an die Heimat gebunden
hatte. Er wre gern fort, fort, so weit, als es ging.
Da kam eines Tags Mutter Marei mit einem Briefe von ihrem Mathes aus Amerika. Er
hatte vierhundert Gulden geschickt, damit sich der Aloys einen Acker kaufe oder
wenn er zu ihm wolle, sich mit dem Gelde vom Militr losmache.
Der Aloys, der Mathes vom Berg mit seiner Frau und seinen acht Kindern, darunter
auch die Mechtilde, wanderten noch diesen Herbst gemeinschaftlich nach Amerika
aus.
Als Aloys auf der See war, da summte er oft die Strophe des allbekannten Liedes
vor sich hin, er verstand sie erst jetzt recht:
Das, das, das und das,
Das Schifflein hat den Lauf;
Der, der, der und der,
Der Schiffmann steht schon drauf,
Spr ich einen rechten Sturmwind wehn
Als wollt das Schiff zu Grunde gehn,
Da stehen meine Gedanken
Zu wanken.

In seinem letzten Briefe, vom Ohio, schreibt der Aloys an seine Mutter:
... Es druckt mir oft schier das Herz ab, da ich all das viele Gut so allein
genieen soll. Ich wnsch mir oft ganz Nordstetten herbei: den alten Zahn, das
blinde Konradle, das Schackerle von der Steingrub, den Soges, den
Sauerbrunnenbasche und das Maurizele vom Hungerbrunnen, die sollten sich alle
bei mir satt essen, bis sie nimmer weiter knnen. Was hab ich davon, wenn ich so
allein da bin? Da knntet Ihr dann auch sehen, wie der Tolpatsch jetzt seine
vier Ross' im Stall und zehn Fohlen im Felde hat. Wenn's dem Marannele nicht gut
geht, schreibst mir's auch, ich will ihm was schicken; es darf aber nichts davon
erfahren, von wem es ist, es dauert mich ins Herz hinein. Der Mathes vom Berg
wohnt eine Stund von mir. Die Mechtilde ist eine tchtige Schafferin, aber sie
ist doch kein Marannele. Wenn es ihm nur auch gut geht. Hat es schon Kinder? Auf
der berfahrt ist auch ein gestudierter Landsmann, der Doktor Stberle von Ulm,
bei uns gewesen, der hat mir an einer Weltkugel gezeigt, da, wenn in Amerika
Tag, es in Nordstetten Nacht ist und so umgekehrt; ich hab nicht mehr daran
gedacht, aber jetzt, wenn ich als im Feld bin und so denk: Was machen sie denn
jetzt in Nordstetten? da fllt mir's ein: Potz Blitz, die schlafen ja jetzt, und
des Schackerles Hannes, der Nachtwchter, ruft sein: "B'ht uns Gott und Maria."
Am Sonntag ist mir's am rgsten, da in Nordstetten jetzt Samstag zu Nacht ist.
Das sollt nicht sein, es sollt alles einen Tag haben. Am letzten Sonntag haben
wir aber doch beim Mathes auf dem Berg getanzt, da war ja Kirchweih in
Nordstetten. Ich verge das nie und wenn ich hundert Jahr alt werde. Ich mcht
nur auch einmal wieder eine Stund in Nordstetten sein, da wollt ich auch dem
Schulthei zeigen, was ein freier Brger von Amerika ist. -

1) Pelzverbrmte rote Mtze ohne Schild, mit einem Troddel von Golddraht in der
Mitte.
2) Bartholomus Sebastian.
3)Spinnrocken.
4) Lasset.
5) d. i. die Holzfaser aus dem Hanf.
6) Nachher wollt.
7) Schwbische Mehlspeise.
8) Ein Ring von beinhartem Holz oder Stein, den man an das Ende der Spindel
steckt, damit man sie, so beschwert, besser drehen kann.
9) Jakob.
10) Maklerlohn.
11) Schlafkameraden, da stets zwei Soldaten auf einer Pritsche schlafen.
12) Hnfenes Linnen.
13) Oftmals.
14) Heim.
15) Gehen.
16) Mehr haben.

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